Mittwoch, 18.03.2026, 19.00 Uhr

Herr Walter Dury

Präsident des OLG Zweibrücken i.R. und eh.

Richter am Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz in Koblenz

 

Das Aufblühen von Gewerbe in Zweibrücken durch den Einfluss des französischen Rechts im 19. Jahrhundert

 

Änderung:

Aula der Herzog-Wolfgang-Realschule plus

(eh. Hauptschule Mitte) 

Zweibrücken, Wackenstr. 5

Motiv Ausstellung Industriekultur, Quelle: Stadtmuseum Zweibrücken

Dieser Vortrag ist Bestandteil des Begleitprogramms der Sonderausstellung „Industrie. Kultur. Geschichte(n). Vom Hammerschlag zur Maschine“ im Stadtmuseum Zweibrücken und ist Bestandteil der kooperativen Arbeit des Historischen Vereins Zweibrücken e.V. mit dem Pfälzischen OLG Zweibrücken und dem Verein Industriekultur Zweibrücken e.V.

Das französische Recht förderte im 19. Jahrhundert in Zweibrücken den Übergang von zünftigen Strukturen zu einem dynamischeren, liberaleren Gewerbewesen und begünstigte damit das Aufblühen von Gewerbe und Industrie.

 

Liberale Rechtsgrundlagen und Gewerbefreiheit

Mit dem Fortgelten des Code civil in der Pfalz nach 1816 blieben zentrale Prinzipien wie Gleichheit vor dem Gesetz, Vertragsfreiheit und Schutz des Privateigentums bestehen, was unternehmerische Initiative erleichterte. Die im französisch geprägten Raum früher praktizierte Gewerbefreiheit brach alte Zunftschranken auf und ermöglichte leichter Neugründungen von Betrieben und selbstständiger Erwerbstätigkeit.

 

Abbau zünftiger Beschränkungen

Im 18. Jahrhundert war das Handwerk im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken noch stark zünftig organisiert, mit rigiden Zugangs- und Ausübungsbeschränkungen. Der Übergang zum französisch beeinflussten Gewerberecht im 19. Jahrhundert schwächte diesen Zunftzwang und öffnete den Markt für neue Gewerbetreibende und industrielle Unternehmungen. 

Rechtssicherheit und Investitionsklima

Der Code civil bot ein klar kodifiziertes Zivil- und Handelsrecht, das Eigentums- und Vertragsbeziehungen verlässlicher regelte als viele älteren Partikularrechte. Diese Rechtssicherheit senkte das Risiko für Kapitalgeber und Unternehmer und erleichterte Investitionen etwa in Maschinenbau, Metallverarbeitung und andere kapitalintensive Betriebe in Zweibrücken.

Industrialisierung und neue Gewerbezweige in Zweibrücken

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte in Zweibrücken eine frühe Industrialisierung ein; bedeutende Unternehmen der eisenverarbeitenden Industrie und des Maschinenbaus entstanden. Beispiele sind die Dinglerwerke (Maschinenbau, 1827/1839) und später Firmen der Metallverarbeitung, Schuhindustrie, Webereien und Brauereien, die auf der gewerblichen Öffnung aufbauen konnten.

Geistiges Klima und liberale Bewegung

Zweibrücken entwickelte sich im Vormärz zu einem Zentrum liberaler Bewegungen, wozu das Fortgelten der „freiheitlicheren Rechte“ des französischen Rechts in der Pfalz wesentlich beitrug. Das daraus resultierende geistige Klima – mit starker Presse- und Vereinstradition (Siebenpfeiffer, Wirth, Deutscher Preß- und Vaterlandsverein) – begünstigte ein innovationsfreundliches Umfeld, in dem neue Gewerbeideen leichter Fuß fassten.

Weg zur Veranstaltung: