Mittwoch, 12.08.2026, 19.00 Uhr
Herr Prof. Dr. Hans Ammerich
Historiker und Archivar
Herzog Stephan und die Anfänge des Pfalz-Zweibrückischen Staatswesens
Herzogssaal im Stadtmuseum
Zweibrücken, Herzogstr. 9-11
(Quelle: Wikipedia)
Stephan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken (* 23. Juni 1385; † 14. Februar 1459 in Simmern) war Pfalzgraf und Herzog von Pfalz-Simmern-Zweibrücken. Sein Vater war der Kurfürst von der Pfalz und römisch-deutsche König Ruprecht, seine Mutter Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg.
Leben und Wirken
Nach dem Tod Ruprechts wurde die Pfalzgrafschaft bei Rhein am 3. Oktober 1410 unter den vier noch lebenden Söhnen aufgeteilt. Ludwig wurde mit der Kurwürde Haupterbe, Johann erhielt Pfalz-Neumarkt, Stephan Pfalz-Simmern-Zweibrücken und Otto Pfalz-Mosbach.
Das Herzogtum Pfalz-Simmern-Zweibrücken nach der Pfälzischen Teilung 1410. (Gestaltung Stefan Schnupp, Angaben nach Schaab, Geschichte der Kurpfalz. 1. Band, 147)
Im Juni 1410 hatte Stephan Anna von Veldenz geheiratet, Tochter des Grafen Friedrich III. von Veldenz, mit dem Stephan zeitlebens politisch eng verbunden blieb. Anna starb am 18. November 1439 auf Burg Wachenheim. Nach dem Tod Friedrichs III. im Jahr 1444 erbten Stephans Söhne als Nacherben ihrer Mutter die Grafschaft Veldenz (die weibliche Erbfolge wurde von Kurpfalz als Lehnsherr bestritten, was in der Folge zu kriegerischen Auseinandersetzungen führte) und Anteile an der Grafschaft Sponheim. Im gleichen Jahr wurde durch ein Vertragswerk die zukünftige Aufteilung des Herrschaftsgebiets in Pfalz-Simmern-Sponheim (an Friedrich) und Pfalz-Zweibrücken-Veldenz (an Ludwig) beschlossen. Stephan erbte 1448 einen Teil von Pfalz-Neumarkt und verkaufte diesen in der Folge an seinen Bruder Otto. Auch sonst war Stephan bemüht, durch die Ablösung von Schulden und Gebietsan- und -verkäufe für stabile Verhältnisse zu sorgen.
1431 ließ Stephan durch König Sigismund sein Münzrecht bestätigen und nutzte dies zum Prägen von Goldmünzen und größeren Silbermünzen in seinen Prägestätten Simmern und Wachenheim.
1453 übergab Stephan die Regierungsgeschäfte an seine beiden im weltlichen Stand verbliebenen Söhne Friedrich und Ludwig und zog sich nach Meisenheim zurück. Er starb auf einer Reise von dort nach Simmern.
Herzog Stephan († 1459), seine Ehefrau Anna von Veldenz († 1439) und ihr Vater Graf Friedrich III. von Veldenz († 1444) waren in der Gruft der ehemaligen Johanniterkirche in Meisenheim, dem Vorgängerbau der Schlosskirche, beigesetzt.[1] Die Grablegen sind nicht erhalten.
Prof. Dr. Hans Ammerich, der langjährige Archivleiter des Bistumsarchivs Speyer, hat sich als gebürtiger Zweibrücker seit seiner Studienzeit mit der vielfältigen Geschichte seiner Heimatstadt beschäftigt. Er gilt als einer der besten Kenner des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken. Der Historische Verein Zweibrücken freut sich auf einen weiteren Vortrag seines Mitgliedes.
Das Fürstentum Pfalz-Zweibrücken geht auf die am 3. Oktober 1410 durchgeführte Erbteilung der kurpfälzischen Territorien nach dem Tod des Königs und Pfalzgrafen Ruprecht (III.) von der Pfalz (reg. 1398-1410) zurück. Ruprechts ältester Sohn Ludwig III. erhielt den Kernbesitz der rheinischen Pfalzgrafschaft mit der Kurwürde (reg. 1410-1436 als Kurfürst von der Pfalz). Seine drei Brüder Johann, Stephan und Otto wurden mit ansehnlichem Besitz in den Randzonen des väterlichen Territoriums ausgestattet, ohne dass das ihnen jeweils zugeteilte Territorium durch ein Lehensband mit dem kurpfälzischen Hauptterritorium verbunden blieb.
So kam es zur Bildung der pfälzischen Nebenlinien Pfalz-Neumarkt Neuburg (Johann), Pfalz-Simmern(-Zweibrücken) (Stephan) und Pfalz-Mosbach (Otto).
Während die Linien Pfalz-Neumarkt und Pfalz-Mosbach bereits im 15. Jahrhundert erloschen und die Territorien an die Hauptlinie zurückgefallen waren, führte die sich verästelnde Linie Pfalz-Zweibrücken bis zur Französischen Revolution ein Sonderdasein und beerbte 1799 die beiden Kurfürstentümer Pfalz und Bayern.
Das Leben und Wirken Stephans (1385-1459), des zweitjüngsten Sohns Ruprechts, steht im Mittelpunkt des Vortrags. Stephans Heirat (1409) mit Anna, der Erbtochter des Grafen Friedrich III. von Veldenz (gest. 1444), war entscheidend für die Entwicklung seines Territoriums, denn der 1444 eingetretene Erbfall von Veldenz bedeutete für ihn den Gewinn eines durch den Silberbergbau wertvollen Territoriums. Der Erbvertrag von Mitte September 1444 zwischen Stephan und seinem Schwiegervater führte aber auch zur Teilung des Landbesitzes und damit zu zwei neuen Linien, Pfalz-Simmern und Pfalz-Zweibrücken.
Neben der territorialen Entwicklung und der Regelung der Erbfolge werden im Rahmen des Vortrags vor allem Stephans Ausbau der Landesherrschaft, sein Regierungs- und Verwaltungssystem sowie seine Klosterreformen behandelt.
Die Beziehungen Stephans und seiner Nachfolger zu den pfälzischen Kurfürsten in Heidelberg waren trotz der nahen Verwandtschaft schon früh getrübt. Verschiedene Streitpunkte führten schließlich unter Stephans Sohn Ludwig I. (dem Schwarzen) zu wiederholten kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem pfälzischen Kurfürsten Friedrich dem Siegreichen, die für Pfalz-Zweibrücken erhebliche Gebietsverluste zur Folge hatten.
Stephan zog sich nach dem Tod seiner Frau (1439) und seines Schwiegervaters (1444) allmählich aus der Politik zurück. Im September 1453 legte er sein Amt nieder und wählte als Alterssitz Meisenheim aus. Erst sein Sohn Ludwig der Schwarze verlegte die Verwaltung nach Zweibrücken.
Rezeption
Stephans Biografen Philipp Casimir Heintz und Ludwig Molitor zählten Stephan als „ersten Herzog von Pfalz-Zweibrücken“ und datierten entsprechend die Gründung des Pfalz-Zweibrückischen Staatswesens auf das Jahr 1410 zurück.[2] Dagegen lassen ältere und neuere Historiker die Geschichte Pfalz-Zweibrückens erst mit der Landesteilung von 1444 beginnen und zählen entsprechend Ludwig I. als ersten Herzog.
Stephan wurde durch seinen Sohn Friedrich der Stammvater der Kurfürsten von der Pfalz ab 1559 und durch seinen Sohn Ludwig zum Stammvater auch von deren Nachfolgern in der Kurlinie ab 1685 sowie auch zum Stammvater der bayerischen Könige. Somit stammen alle heute lebenden Wittelsbacher von Stephan ab.
Unser Vortragender:
Herr Prof. Dr. Hans Ammerich
Fotoquelle: Uni Landau, Institut für kath. Theologie
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