Mittwoch, 04.02.2026, 18.00 Uhr
Mitgliederversammlung
anschließend ca. 19.00 Uhr
Dr. Bernhard H. Bonkhoff
Karl Aulenbach – Pfarrer und Revolutionär
zuvor: Mitgliederversammlung des Vereins
Herzogssaal im Stadtmuseum
Zweibrücken, Herzogstr. 9-11
Für uns heute klingt es, anders als in seiner Zeit, fast unvereinbar:
Karl Aulenbach war gleichzeitig ultra-konservativer protestantischer Pfarrer, Nationalist und Freiheitsdichter. Dr. Bernhard Bonkhoff, ev. Pfarrer i.R. und profilierter Kirchenhistoriker, wird in seinem Vortrag die Lebensgeschichte dieser schillernden Persönlichkeit vorstellen und damit über Aulenbach hinaus eine hochinteressante Phase unserer Regionalgeschichte beleuchten.
Karl Aulenbach wuchs in Homburg als Sohn des dichtenden lutherischen Pfarrers Christian Aulenbach und seiner Frau Karoline, geb. Schweppenhäuser, auf. Sein älterer Bruder war der in der Pfalz des 19. Jahrhunderts sehr populäre Dichter Friedrich Aulenbach (1810-1882).
Karl Aulenbach machte bereits als Schüler des renommierten Zweibrücker Gymnasiums Bekanntschaft mit der Zensur in der damals bayerischen Pfalz. Ein von ihm verfasster Artikel gegen die Regierung im „Rheinbayerischen Anzeiger“ trug ihm eine Geldstrafe ein. Mit 18 Jahren trat er dem „Deutschen Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse“ bei. Dieser „Preßverein“ organisierte an Pfingsten 1832 das Hambacher Fest, den ersten Höhepunkt der deutschen Freiheitsbewegung, heute das Symbol für die deutsche Demokratiegeschichte.
Karl trat in die Fußstapfen seines Vaters und studierte Theologie, was durch seine politischen Aktivitäten erschwert wurde. Seine ersten Berufserfahrungen musste er in Baden erwerben, da er in der damals sehr liberalen unierten protestantischen Kirche der Pfalz zeitweise nicht geduldet war.
In seiner Studentenzeit kam Karl Aulenbach in Kontakt zu nationalgesonnenen Burschenschaften. Ein neu aufgefundener Schattenriss zeigt ihn in dieser Zeit in deren Montur. Die Burschenschaften hatten ihren Ursprung in den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Expansionspolitik, die in der Völkerschlacht von Leipzig 1813, im Geburtsjahr Aulenbachs, gipfelten. Ihre Forderung nach einem deutschen Nationalstaat zur Überwindung der Kleinstaaterei verband sich mit dem Ruf nach mehr Mitbestimmung der Bürger im Staat. Die deutsche Einheit in Freiheit von staatlicher Willkür war dann auch das Anliegen der Hambacher.
Nach dem Scheitern des Pfälzischen Aufstandes von 1849 floh Karl Aulenbach wie viele andere Pfälzer und Badener („Forty-Eighters“) nach Amerika, wo er Pfarrer im von deutschen Auswanderern geprägten Ohio wurde. 1878 gab er seine Pfarrstelle auf, da er als orthodoxer Lutheraner die von seiner Gemeinde geforderten kirchlichen Neuerungen ablehnte.
Karl Aulenbachs Lyrik steht exemplarisch für die Vormärz-Dichtung. Seine Themen sind die Demokratie-Bewegung und ihr Scheitern, die Freiheit, ein deutscher Einheitsstaat. Er schwärmt aber auch von der Schönheit seiner pfälzischen Heimat und offenbart in religiösen Lehrgedichten seine orthodox-lutherische Gesinnung.
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