Malweiber, Lehrmaidele und…

…die Malerkolonie Obersteinbach / Vortrag beim Historischen Verein

Zweibrücken (hv) In Grötzingen – heute ist das Malerdorf ein Stadtteil von Karlsruhe – hatte sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Malerkolonie angesiedelt. Zu dieser stieß auch der aus Altona stammende Maler Franz Hein, der schon bald das Land um Nieder- und Obersteinbach an der pfälzisch-elsässische Grenze kennen lernte und von der Schönheit der Nordvogesen begeistert war.

Inzwischen hatte die Künstlerkolonie etliche Malschülerinnen gewonnen. Da Frauen in jener Zeit noch nicht studieren konntenoder nur mit Ausnahmegenehmigung Zugang zu Kunstakademien erhielten, gaben manche Kunstprofessoren Privatunterricht und scharten so einen Kreis von Schülerinnen um sich. Das war auch in Grötzingen so, und also zog Franz Hein jedes Jahr im Spätsommer und Herbst mit seinen Schülerinnen nach Obersteinbach, damit sie sich in der Freiluft-Malerei üben konnten. Zentrum wurde die Gastwirtschaft Fricker-Sensfelder, das heutige Hotel Anthon. Bei diesen Aufenthalten legten die Maler ein Gästebuch an, das im vergangenen Jahr, zusammen mit einem Dutzend Arbeiten der Malerkolonie, in einem  Obersteinbacher Privathaus entdeckt wurde.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs erlosch die elsässische Dependance der Grötzinger Malerkolonie, doch es dauerte nicht lange, bis wieder Maler kamen - jetzt aus dem deutsch-französischen Grenzland.

Nachdem im Frühjahr 2018 Gästebuch und Bilder von der Obersteinbacher Malerkolonie aufgefunden wurden, haben sich der Obersteinbacher Heimat- und Kulturverein und der Grötzinger Künstlerbund zusammengetan, um in einem deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekt, u.a. mit Ausstellungen, die Geschichte der Malerkolonie Obersteinbach aufzuarbeiten. In Obersteinbach wird bereits im Herbst dieses Jahres eine solche Ausstellung veranstaltet, zu der ein ausführlicher Katalog erscheinen wird, herausgegeben von dem Kirchenhistoriker und emeritierten Pfarrer Bernhard H, Bonkhoff.

Beim nächsten Vortragsabend des Historischen Vereins Zweibrücken, am Mittwoch, 13. März, um 19 Uhr im Kapellenraum der Karlskirche, wird Bernhard H. Bonkhoff, der auch Vorstandsmitglied des Historischen Vereins ist, über das grenzüberschreitende Kunstprojekt berichten. Nichtmitglieder sind wie immer herzlich willkommen .