Zweibrücken und der 9. November 1938

Stunde des Erinnerns / Historischer Verein übergibt Gedenktafel an Öffentlichkeit

Zweibrücken (hv) Am kommenden Samstag, 9. November,  jährt sich zum 75. Male jenes unheilvolle Geschehen, das als Reichspogromnacht in die Geschichte eingegangen ist. Es war jene Nacht, in der die Synagogen in Flammen aufgingen, jüdische Geschäfte demoliert, ihre Besitzer bei Protest misshandelt und in Haft genommen wurden. Es war der Tag, an dem die systematische Menschenjagd des Nazi-Regimes auf  jüdische Mitbürger ihren Anfang genommen hat, an dem politische Wahnvorstellungen abscheuliche Abgründe aufgerissen haben, Abgründe der Unmenschlichkeit und des Verbrechens, in denen später Deutschland als Kulturnation versinken sollte.

Daran wird Rainer Schanné in der Gedenkveranstaltung erinnern, zu der für 9. November um 18 Uhr Katholische, Protestantische und Evangelisch-Methodistische Kirche gemeinsam mit der Stadt Zweibrücken, dem Historischen Verein und dem Bündnis „Buntes Zweibrücken“ die Bürgerschaft  in die untere Fußgängerzone einladen. Psalmworte von Pfarrerin Ursula Müller und kurze Ansprachen, u.a. von Oberbürgermeister Kurt Pirrmann und dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, Wolfgang Staedtler, prägen weiter den Inhalt des musikalisch ausgestalteten Gedenkens.

Höhepunkt dieser Stunde des Erinnerns wird die Übergabe einer Gedenktafel an die Öffentlichkeit sein, die der Historische Verein am Geschäftshaus Hermann Profit in der Hauptstraße anbringen durfte. Sie erinnert an die einstige Judengasse, die zwischen den Anwesen Profit und Besenbruch zu der ersten Zweibrücker Synagoge führte; diese war 1833 in dieser schmalen Gasse in einem ehemaligen Wohnhaus eingerichtet worden.

Nach diesem Gedenken beginnt um 19 Uhr in der Alexanderskirche ein Konzert des Zweibrücker Kammerchors mit Jüdisch-christlicher Musik aus zwei Jahrhunderten. Auf dem Programm des von Koen van der Meer geleiteten Konzerts mit Chor, Gesangs- und Instrumentalsolisten stehen Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Dietrich Buxtehude, Leos Janacek, Leonard Bernstein und dem in Saarbrücken aufgewachsenen israelischen Komponisten Tzvi Avri.