Es war vor 450 Jahren…

…dass Tilemann Stella in Zweibrücken wirkte – Historischer Vortrag

Zweibrücken (hv) Er war einer der herausragenden deutschen Gelehrten der Renaissance, der 1529 als Sohn eines Schmiedes in Siegen geborene Tilemann Stella. Als Geometer und Kartograph ist er berühmt geworden, aber auch mathematischen und astronomischen Studien widmete er sich und auch als Bibliothekar hat er gearbeitet.

Nach dem Studium – u.a. bei einem Verwandten Luthers und Freund Melanchthons - stand er zunächst  in Diensten des Herzogs von Mecklenburg, für den er als Wasserbaumeister auch Kanäle projektierte und anlegte. 1563 kam er ins Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und brachte schon ein Jahr später die „Gründliche und wahrhafftige beschrreibung der beider ambter Zweibrücken und Kirckel wie dieselbigen gelegen 1564“ heraus.  Diese vor 450 Jahren entstandene Landesaufnahme, der eine besondere Bedeutung in der deutschen Kartographie des 16. Jahrhunderts zugemessen wird, ist das Thema des nächsten Vortragsabends des Historischen Vereins Zweibrücken am kommenden Mittwoch, 12. Juni.  Referent ist Vorstandsmitglied Dieter Franck, ein Experte, wenn es um Landvermessung geht. Dieter Franck hat auch eine Ausstellung des faksimilierten Stella’schen Kartenwerks der Ämter Zweibrücken und Kirkel ermöglicht, die für den Vortrag in der Karlskirche aufgebaut ist.

Zu sehen sind dabei 16 Einzelblätter und eine Übersichtskarte.

Die „Augenscheinnahme“ war für Tilemann Stella für die jeweilige Landesaufnahme immer sehr wichtig, erklärt Dieter Franck, wobei ihm auch stets das Wissen  der  Landbevölkerung hilfreich gewesen sei. Stella beschrieb die Herrschaftsgrenzen, die Gewässer, díe Talabschnitte als Gliederung der Landschaft, die Berge, den Bewuchs, insbesondere die Wälder, untergegangene Dörfer, Höfe, sogar „Antiquiteten“, wie er Stein- oder Denkmale nannte.

Zu den zahlreichen Veröffentlichungen Tilemann Stellas gehört auch die erste Übersichtskarte von Deutschland, und auch an einem Atlas über das biblische Palästina war er beteiligt. Gestorben ist er 1589 in Wittenberg – auf einer Postkutschenreise, wie berichtet wird.

Zu dem Vortragsabend am 12. Juni mit seiner außergewöhnlichen Thematik, der um 19 Uhr im Kapellenraum der Karlskirche beginnt, sind, wie zu allen Veranstaltungen des Historischen Vereins, auch Nichtmitglieder freundlich willkommen.

Übrigens: Vor zwanzig Jahren, 1993, hatte der Historische Verein Zweibrücken die von Eginhard Scharf  überarbeitete Tilemann Stella‘sche Landesaufnahme neu herausgebracht. Bereits drei Jahre später war sie vergriffen.