Skandal im Kaiserreich

Die Zabern-Affäre  - Vortrag beim Historischen Verein

Zweibrücken (hv)  Ausgehend vom seinerzeit deutschen Elsass, erschütterte ein Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein politisches Erdbeben das Kaiserreich. Die damaligen dramatischen  Vorgänge von hoher Brisanz sind  in die deutsche Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts unter dem Begriff „Zabern-Affäre“ eingegangen. Über sie berichtet im ersten Vortragsabend des Historischen Vereins Zweibrücken nach der Sommerpause am Mittwoch, 12. September, der Historiker Hans-Joachim Kühn von der Universität des Saarlandes.

Im Herbst 1913 kam es in der kleinen elsässischen Stadt Zabern – heute Saverne – zu Beschimpfungen elsässischer Rekruten durch preußische Militärs. Von der lokalen, demokratisch gesinnten Presse aufgegriffen, entwickelte sich daraus eine hochpolitische Affäre. Sie gipfelte im ersten Misstrauensvotum in der deutschen Geschichte gegen einen Reichskanzler.

Aus elsässischer Sicht ist die  Affäre Zabern bemerkenswert, weil sie das Ende der realpolitischen Zusammenarbeit zwischen elsässischen Abgeordneten und der deutschen Zivilbehörde  bedeutete. Dabei hatte das obrigkeitsstaatliche deutsche Regime provoziert, dass sich der Elsässer als „Franzosenkopf“ fühlte.

Die Bedeutung des Falls Zabern für die deutsche Geschichte liegt darin, dass das Übergewicht der Militärs vor den zivilen Behörden und der Reichsleitung gebrandmarkt wurde und im Widerstand gegen die preußische Vorherrschaft in Deutschland zugunsten eines föderativen Systems. Außerdem haben damals die Sozialdemokraten zum ersten Male mit dem Zentrum und den Liberalen zusammen-gestanden und schließlich gab es, wie schon erwähnt, erstmals ein Misstrauensvotum. Die Haltung Kaiser Wilhelms II. als Staatsoberhaupt ließ dabei deutlich den autoritären und antidemokratischen Charakter des damaligen Regierungssystems in Deutschland hervortreten.

Zu dem um 19 Uhr im Kapellenraum der Karlskirche beginnenden Vortragsabend, der mit Lichtbildern illustriert wird,  sind, wie zu allen Veranstaltungen des Historischen Vereins, Nichtmitglieder freundlich willkommen.