Als die Synagogen brannten…

Vortrag über die pfälzische Gestapo beim Historischen Verein

Zweibrücken (hv) Das wahr gewordene Menetekel des 9. November 1938 ist aus der deutschen Geschichte nicht auszulöschen. Damals brannten die Synagogen und das grauenhafteste Judenpogrom nahm seinen Anfang. Beinahe wie eine Erinnerung der anderen Art an dieses schreckliche Geschehen könnte der Vortragsabend gesehen werden, den der Historische Verein Zweibrücken am nächsten Mittwoch, 9. November, veranstaltet. Sein Thema nämlich ist die pfälzische Gestapo, und die hat vor 73 Jahren schlimm gewütet.

„Die pfälzische Gestapo – von der klassischen politischen Polizei zur Weltanschauungsexekutive“ ist der Vortrag überschrieben, den der Polizeihistoriker Hans Kirsch aus Selchenbach bei Kusel als Gastredner halten wird. Der Referent hatte als Polizeibeamter  mehrere Polizeidienststellen geleitet und beschäftigt sich nun im Ruhestand  mit der Geschichte der Polizei im weitesten Sinne. So gehört zu seinen zahlreichen historischen Veröffentlichungen auch das Buch „Sicherheit und Ordnung betreffend – Geschichte der Polizei in Kaiserslautern und in der Pfalz 1276 – 2006“

Hans Kirsch wird zunächst schildern, wie die pfälzische politische Polizei im Dritten Reich in mehreren Schritten sich zentralisiert und aus der allgemeinen Verwaltung herausgelöst hat. Im Jahr 1937 richtete der Reichsführer-SS Heinrich Himmler in Neustadt an der Weinstraße eine zentrale Gestapo-Dienststelle für die Pfalz ein. Wie sich die klassische politische Polizei über das Repressionsinstrument eines diktatorischen Staates hin zur Weltanschauungsexekutive eines rassistischen  Regimes entwickelte, wird der Referent ausführlich darstellen. Auch die pfälzische Gestapo verhängte Schutzhaft, wies in Arbeitserziehungs- und Konzentrationslager ein, erpresste Aussagen mit Folter und ermordete Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene durch sogenannte Sonderbehandlung. Ein weit verbreitetes Netz von Denunzianten unterstützte die Gestapo bei ihrer Tätigkeit.

Zu der um 19 Uhr beginnenden Veranstaltung im Kapellenraum der Karlskirche – es ist der letzte Vortragsabend in diesem Jahr - sind, wie stets beim Historischen Verein, auch Nichtmitglieder freundlich willkommen.